Hufrehe Leitfaden
Diese beschriebene Methode ist eine Methode von vielen. Es bedeutet nicht, dass es nur diese Methode gibt die erfolgreich sein kann. Die folgende Methode habe ich gelernt in unzähligen Weiterbildungen. Ich wende sie erfolgreich an. Immer in Zusammenarbeit mit einem (Ihrem) Tierarzt. Jedoch gibt es nie eine 100% Garantie das alles wieder zu 100% in Ordnung kommt. Jede Hufrehe hat seine Fortschritte und auch seine Rückschritte, was im schlimmsten Fall auch die Euthanasie des Equiden zur Folge haben kann.

Zeit: Hufrehe braucht sehr viel Zeit und Geduld von Mensch und Pferd. Dies muss man sich bewusst sein. Die Mitarbeit des Besitzers ist ein Muss. Wir reden hier von EINEM Jahr, sprich bis der Huf einmal komplett durchgewachsen ist. Nur so kann sich der Hufbeinträger wieder anbinden. Er muss von oben nach unten neu anwachsen, er kann sich nicht einfach so wieder heilen. Hingegen beginnt bei jedem Schub und oder Rückschlag das Jahr wieder von vorne.
Kosten: Hufrehe Pferde sind Kostenintensiv. Schmerzmittel, Blutverdünner, Hufbearbeitung in kurzen Abständen, dazu die Röntgenbilder, Rehepolster, Hufschuhe, Hufsocken, später ggf. Klebebeschlag mit Rehepolster.
Managment: Die Hufrehe ist nur in den Griff zu kriegen, wenn das gesamte Managment angepasst wird und ohne Ausnahmen eingehalten werden. Jede Kleinigkeit kann einen Rückfall zur Folge haben.
Ursachen: Wenn irgendwie Möglich muss die Ursache für die Hufrehe gefunden werden und abgestellt werden. Liegt es an der Fütterung, an der Weide, am Heu, am Kraftfutter, an der Haltung, an der Hufbearbeitung, Pferd zu dick, Stoffwechselerkrankungen wie z.B. PPID, IR, EMS, PSSM etc.? Heuanalysen sollten gemacht werden. Zuckergehalt des Futters muss eruiert werden und reduziert und oder abgestellt werden.
Fütterung: Zu Beginn einer Hufrehe dürfen die Equiden nur Heu und etwas Stroh zu fressen bekommen. Das Heu muss getestet sein auf Zucker und Fruktan. Dies muss reduziert werden. Zu viel Zucker ist reines Gift für eine Hufrehe. Heu ggf. waschen. Kein Kraftfutter, keine Leckerlis, keine Mineralien oder sonstiges. Weiderinde und Madesüss sowie Unterstützende ätherische Öle können gegeben werden. Die zu dicken oder mit Fettpolster belegten Equiden müssen abnehmen. Achtung; keine Crashdiät. Richtwert ist 1,5 Kilo Heu pro 100kg KG. Bei normalgewichtigen Equiden kann 2kg Heu pro 100Kg KG verabreicht werden. Stroh ist in beiden Fällen mit einzurechnen. Alternativ sind Heucobs bei Equiden mit schlechten Zähnen eine Möglichkeit, aber auch hier aufpassen auf den Zuckergehalt. Analysen der Heucobs sollte vorhanden sein oder beim Hersteller einfordern.
Vorgehen: Bis zum Beweis des Gegenteils sollte eine Laminitis wie eine Hufrehe behandelt werden. Boxenruhe, keine Zwangsbewegung, Tierarzt sofort hinzuziehen. Schmerzmittel, ggf. Blutverdünner, Röntgenbilder, Blutanalysen, Gewebeproben oder Sichtdiagnosen zwecks Ausschlusses oder Einschlusses der Stoffwechselproblematiken. Achtung bei PPID: ACTH Wert ist im Schub sowieso erhöht! Zu Beginn der Symptome sollte ein Röntgenbild gemacht werden. Stellungsröntgen 90° mit Markierung des Kronrandes und der ausgeschnittenen Strahlspitze. Nach ca. 10-14 Tagen muss ein erneutes Röntgenbild gemacht werden um zu sehen ob und wie sich die Hufbeine verändert haben. Sprich Rotation und oder Senkung. Die Boxe sollte mit mindestens 30cm Späne eingestreut werden, damit das Pferd sich die Hufe so eingraben kann wie es ihm wohl ist. Hufe müssen ebenfalls nach Röntgenbild bearbeitet werden und die Hufrehepolster angebracht werden. Ich arbeite mit Luwex Rehepolster. Zweck der Hufbearbeitung und Polster ist, dass die Hufkapsel aus der Last genommen werden muss, ggf. die Zehe gekürzt werden muss, ggf. die Trachten angepasst werden müssen und ein HeelBavel an geraspelt wird. Das Rehepolster unterstützt das Hufbein. Kühlen bringt nur in den ersten 48-72 Stunden etwas. Das Kühlen am besten mit Eis, MUSS durchgehend erfolgen, ansonsten bringt es nichts und bewirkt ggf. eine Verschlechterung. Wir brauchen keine «Kneippwirkung»! Die Hufbearbeitung erfolgt zu Beginn im 2 Wochenrythmus. Die Equiden zeigen uns ob und wann wir eine Erweiterung in Betracht ziehen könne. Sobald die Hufe nicht mehr extrem stark wachsen (Narbenhorn produziert wird) kann langsam im Wochenrythmus gesteigert werden. Sobald die Equiden ohne Schmerzmittel wieder laufen können, kann langsam mit wenig Bewegung an der Hand im Schritt begonnen werden. Kein Trab und nur gerade aus und nur ganz langsam steigern und nur wenn das Pferd sich dabei nicht verschlechtert.
Hufrehepolster: Zu Beginn wird das Polster auf Druck angebracht, später wenn es das Pferd zeigt/toleriert wird auf ein getretenes Polster gewechselt. Hier muss das Polster täglich kontrolliert werden. Zu Beginn kann das frisch angebrachte Polster eine massive Erleichterung bringen. Hingegen kann es sein das nach 1-3 Tagen das Pferd wieder vermehrt Schmerzen/Lahmheit zeigt. Hier muss das Polster erneut angepasst werden. Es gibt keine 100% Richtlinie, die Equiden zeigen uns wie es voran geht und wie es die Polster toleriert. Es werden immer beide Hufe gepolstert auch wenn nur ein Huf, z.B. Aufgrund einer Überlastungsrehe betroffen ist.
Problem: Wenn zusätzlich ein Hufrollenbefund besteht ist das Polstern schwierig. Die Hufrolle (Strahlbein) verträgt grundsätzlich keinen Druck. Das Hufbein muss aber unterstütz werden. Hier braucht es ggf. schnellere Polsterintervalle bis man das ideale Polster gefunden hat.
Bei Verschlechterungen unbedingt bei mir melden!!
